Fragen und Antworten (FAQ)

01. Wird die Psychotherapie von der Krankenkasse übernommen?

Eine Verhaltenstherapie bei einem kassenzugelassenem Therapeuten wird von den gesetzlichen Kassen (GKV) in voller Höhe übernommen. Die Voraussetzung ist, dass eine psychische Erkrankung mit der entsprechenden Diagnose vorliegt und das die Therapie erfolgversprechend ist. Private Versicherungen haben eigene Regelungen, die Sie direkt bei Ihrer Versicherung erfragen können.

02. Was geschieht im Erstgespräch?

Die erste Stunde dient dem Kennenlernen und der Klärung der Indikation. Das heißt, Sie haben zunächst ausführlich die Gelegenheit ihr Anliegen zu schildern und dabei herauszufinden, ob „die Chemie stimmt“. Ich muss entscheiden ob die Problematik in den Indikationsbereich der ambulanten Verhaltenstherapie und den Leistungsbereich der Krankenkassen fällt.

Falls die Zeit reicht, werde ich Ihnen noch verschiedene Fragen stellen, die für mein Verständnis wichtig sind und eventuell können wir auch schon erste Ideen entwickeln, wie die Dinge zu lösen sind.

03. Was genau ist eine „psychotherapeutische Sprechstunde“?

Die „psychotherapeutische Sprechstunde“ wurde zum 1. April 2017 eingeführt. Um einen schnelleren Zugang gewährleisten, sind alle kassenzugelassenen Psychotherapeuten nun verpflichtet, wöchentlich 100 Minuten (=2 Therapiestunden) dafür bereitzustellen.

Die psychotherapeutische Sprechstunde dient in erster Linie der Abklärung der Diagnose und der Frage, ob die Beschwerden eine Indikation zur Psychotherapie auf Kassenkosten darstellt.

Im Anschluss an die Sprechstunde erhalten Sie ein Formblatt, auf dem diese Informationen stehen.

Bitte beachten Sie folgendes: Die Psychotherapeuten müssen mehr Sprechstunden anbieten, als sie Therapieplätze anbieten können. Daher bedeutet, dass die Inanspruchnahme einer psychotherapeutischen Sprechstunde keine Garantie auf einen (zeitnahen) Therapieplatz darstellt. Es ist im Gegenteil so, dass die Zeit für die verpflichtenden Sprechstunden für die eigentlichen Therapien unterm Strich fehlt.

04. Was ist eine Akuttherapie?

Die Akuttherapie wurde mit der Reform der Psychotherapierichtlinien eingeführt ohne genau zu definieren, was das eigentlich ist.

Ich vergebe Termine für eine Akuttherapie, wenn

  • eine schwere psychologische Symptomatik vor kurzem neu aufgetreten ist,
  • eine remittierte schwere psychologische Symptomatik vor kurzem wieder aufgetreten ist.

Nicht akut ist eine schon länger bestehende Symptomatik, für die bisher keine ärztliche oder psychologische Hilfe in Anspruch genommen wurde. Für eine nicht akute Symptomatik spricht auch, wenn kurzfristig angebotene Termine abgelehnt werden oder nur Termine zu bestimmen Uhrzeiten akzeptiert werden.

05. Was muss ich mitbringen? Brauche ich eine ärztliche Überweisung?

Bringen Sie auf jeden Fall Ihre Versichertenkarte mit. Eine ärztliche Überweisung ist nur zwingend nötig, wenn Sie sind in einem Hausarztvertrag eingeschrieben sind. Hilfreich ist sie in jedem Fall. Wenn die Kostenübernahme durch die Kasse beantragt wird, ist ein ärztlicher Konsiliarbericht notwendig.

06. Wie läuft so eine Therapie dann ab?

Wenn wir gemeinsam entscheiden, eine Therapie einzuleiten, könnte das etwa in folgenden Schritten ablaufen (Im Einzelfall können manche Schritte wegfallen und andere hinzukommen):

  • Weitere Klärung und Präzisierung der Problemstellung.
  • Sammeln wichtiger Informationen (=Erhebung der Anamnese): Klärung von Fragen der familiären Herkunft, der aktuellen Lebenssituation, eventueller körperlicher Erkrankungen u.v.m.
  • Problemanalyse. Klärung der Fragen, wie das Problem entstanden ist und wie es aufrech erhalten wird. Anders ausgedrückt: Warum haben Sie das Problem und warum haben Sie es noch.
  • Therapieplanung. Was ist zu tun, um das Problem zu lösen?
  • Durchführung der therapeutischen Maßnahmen.
  • Endphase und Beendigung
07. Wie lange dauert eine Therapiesitzung?

In der Regel 50 Minuten.

08. Wieviel Stunden werden von der Kasse übernommen?

Zunächst wird eine oder zwei psychotherapeutische Sprechstunde(n) durchgeführt. Im Anschluss kann eine Akuttherapie durchgeführt werden mit maximal 24 Sitzungen à 25 Minuten oder entsprechend 12 Sitzungen á 50 Minuten. Alternativ oder im Anschluss können mindestens zwei bis maximal 4 probatorische Sitzungen durchgeführt werden. Daran wiederum kann sich eine verhaltenstherapeutische Kurzzeittherapie mit 2 * 12 Sitzungen à 50 Minuten anschließen. Die Akuttherapie wird darauf angerechnet.
Wenn weitere Sitzungen notwendig werden, muss ein Gutachter eingeschaltet werden, der dann entscheidet, ob die Therapie fortgeführt werden kann.

Wenn Ihre Krankenkassen einen Selektivvertrag in Psychotherapie hat, gelten sehr viel großzügigere und deutlich unbürokratischere Regelungen. S. die FAQ zu den Selektivverträgen.

09. Mit welchen Wartezeiten muss ich rechnen?

Die Nachfrage übersteigt nach wie vor bei weitem das, was die Psychotherapeuten leisten können. Durch neue Verpflichtungen für Psychotherapeuten seit dem 1.4.17 wird die Zahl der Therapieplätze weiter verringert. Da die Wartezeiten nicht kalkulierbar sind, kann ich leider keine verbindlichen Angaben machen.

10. Welche Pflichten hat habe ich als Psychotherapiepatient/in?

Eine Psychotherapie kann nur mit Ihrer aktiven Mitarbeit erfolgreich sein. Also müssen Sie Ihren Anteil am Gelingen beitragen.
Sie sind verpflichtet, verbindlich vereinbarte Termine einzuhalten oder rechtzeitig abzusagen. Bei unentschuldigt nicht wahrgenommenen oder kurzfristig abgesagten Terminen kann der Therapeut ein privat zu zahlendes Honorar in Rechnung stellen.

11. Ich bin in einem Hausarzvertrag der AOK oder BoschBKK. Gibt es Besonderheiten?

Für Mitglieder der AOK und der Bosch BKK, die in einem Hausarztvertrag sind, gibt es die Möglichkeit, zusätzlich in einen Facharztvertrag einzutreten. Mitglieder des Facharztvertrags erhalten eine bessere psychotherapeutische Versorgung und schnellere, da hier bürokratische Hürden wegfallen.

12. Ich habe gehört, dass es für Mitglieder der Techniker Krankenkasse und der DAK neue Regelungen gibt. Was hat es damit auf sich?

Mitglieder der TK und der DAK können für die Zeit der Psychotherapie einen Vertrag einschreiben und erhalten dadurch eine verbesserte psychotherapeutische Versorgung. Sie bekommen einen schnelleren Ersttermin, da viele bürokratische Hürden wegfallen.

Nach Beendigung der Therapie wird auch die Vertragsteilnahme beendet.

13. Wir möchten eine Paartherapie machen. Was müssen wir beachten?

Eine Paartherapie ist keine Kassenleistung und muss privat bezahlt werden.  In der Regel nehmen Paare eine Doppelsitzung (=100 Minuten) im Monat wahr. Die Kosten für eine Doppelsitzung belaufen sich auf 200€.

 

14. Was ist ein Selektivvertrag und was bedeutet das für mich?

Selektivvertäge sind Behandlungsverträge, welche die Kassen mit Ärzten und Psychotherapeuten (bzw. deren Berufsverbänden) direkt abschließen ohne den Umweg über die kassenärztliche Vereinigung zu gehen.

Wenn Ihre Kasse einen Selektivvertrag im Bereich Psychotherapie hat, haben Sie eine Reihe von Vorteilen: Sie haben das Recht auf einen schnell(er)en Therapieplatz, das Antragsverfahren zur Kostenübernahme der Psychotherapie ist vereinfacht und geht daher wesentlich schneller und vieles mehr.

Aktuell kommen die Mitglieder der AOK Baden-Württemberg und der BoschBKK in den Genuß dieser Vorteile, wenn sie zusätzlich in einem Hausarztvertrag sind sowie die Mitglieder der TK und der DAK. Ab 1019 kommen noch eine Reihe BKKs hinzu.

15. Ich habe eine Frage, die hier nicht aufgeführt ist.

Schreiben Sie mir eine E-Mail.